Remote Work – Wie 100% Homeoffice funktionieren kann

Sara Gorzelec

Sara Gorzelec

UX Consultant & Head of Social Media

Inhaltsverzeichnis

Wir arbeiten alle im Homeoffice und führen häufig solche Gespräche:
“Wo sitzt denn UXLA?”  
“Im Raum Frankfurt, aber wir haben keine Büros.”  
“Hä? Wie geht das denn?”  

Dass eine Firma komplett ohne eigene Büros auskommt, wundert viele mit denen ich rede. Doch ja, es funktioniert wirklich!  

Denn bei uns ist Remote Work keine Notlösung. Bei UXLA ist es Teil des Firmen-Konzepts. Niemand hat uns gezwungen. Wir haben uns alle absichtlich für diese Form der Zusammenarbeit entschieden. Und nur deswegen funktioniert es auch.  

Wir sind für diese Art zu arbeiten bestens vorbereitet.  

 


Flexibilität  

Arbeiten in der Bahn oder zwischendurch in der Uni. Eltern oder Freunde besuchen, ohne Urlaub nehmen zu müssen. Workations, arbeiten auf Reisen oder ans andere Ende Deutschlands umziehen und dabei den Job behalten. Das alles ist möglich, solange es eine stabile Internetverbindung gibt.  

Der Arzt hat nur bis 19 Uhr geöffnet? Dein Kind ist krank und muss von der Kita abgeholt werden? Der Schornsteinfeger kommt zwischen 8 und 18 Uhr? Solche Termine und Ereignisse unterbrechen zwar deinen Arbeitstag, beenden ihn aber nicht unbedingt, wenn du von zu Hause arbeiten kannst.  

Wenn du Teil eines internationalen Projekts bist, musst du ab und zu an Terminen teilnehmen, die vor 8 oder nach 17 Uhr stattfinden. Damit du an solchen Tagen nicht ohne Ende Überstunden sammelst, kannst du im Homeoffice einfacher lange Pausen einbauen. Im Büro ziehst du durch oder sitzt deine Zeit in einem überteuerten Cafè ab. 

Zu Hause bist du produktiver  

Wenn ich im Büro bin, komme ich zu nichts. Ich pendle zwischen Kaffeemaschine und den Schreibtischen meiner Kolleg:innen hin und her. Überziehe die Mittagspause, weil wir uns so nett unterhalten. Und wenn das halbe Büro rauchen geht, gehe ich als Nichtraucherin mit, um den Flurfunkt mitzubekommen. Für Meetings plane ich 5 Minuten mehr Zeit ein, weil ich durchs halbe Gebäude zum richtigen Raum irre.  

Versteh mich nicht falsch: persönlicher Kontakt ist wichtig. Wenn man sich mit einer Person in einem Raum befindet, entwickeln sich Gespräche viel natürlicher. Ihr fallt euch seltener ins Wort. Und es entstehen weniger Missverständnisse, weil ihr mit eurer Körpersprache kommuniziert. Super für Workshops und Brainstormings.  

Auf den Büro-Alltag trifft das leider nicht zu. Eine britische Studie belegt: “Contrary to common belief, the volume of face-to-face interaction decreased significantly (approx. 70%).” Statt sich zu unterhalten und direkt auszutauschen, werden E-Maills getippt, um mehr busy zu erscheinen. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. 

Zu Hause kann ich mich besser konzentrieren. Manche nennen es „Tunnel“ oder „Flow“. In so einen Zustand komme ich nicht, wenn sich die Kolleg:innen unterhalten oder ich das Gefühl habe, jederzeit angsprochen zu werden. 

Entspannt von zu Hause aus arbeiten umgeben von allem, was man gerne hat. Zum Beispiel Pflanzen.

Work-Live-Balance  

Tage an denen ich zu meinen Kund:innen ins Büro fahre, sind verlorene Tage für mein Privatleben. Ich bin, wenn der ÖPNV mitspielt, von 6:45 bis 19:15 Uhr unterwegs. Wenn ich dann abends nach Hause komme, möchte ich nur noch eins: Jogginghose an, Pizza bestellen und wenig später ins Bett fallen. 

Wenn ich jedoch von zu Hause arbeite, sitze ich bereits kurz nach sieben am Schreibtisch. Die Mittagspause verbringe ich ohne Arbeitsgespräche beim Lunch: auf dem Balkon, mit einer Serie, einem Spaziergang, ein wenig Sport oder ein paar Handgriffen im Haushalt. Zwischen 16 und 17 Uhr klappe ich den Laptop zu und habe direkt Feierabend. Ohne langen Heimweg. So spare ich persönlich täglich zwischen zwei und drei Stunden Zeit. 

In sachen Work-Live-Balance toppt das nur noch die echte 4-Tage-Woche. Die gibt es bei uns übrigens auch: hier habe ich darüber geschrieben.

Im Homeoffice gibt es den besten Kaffee.

Arbeitsumfeld  

Wenn du ein kleines Rad im Getriebe bist, hast du vermutlich keinen eigenen Raum, sondern sitzt zusammen mit anderen Rädchen im Großraumbüro. Wenn du Glück hast, hast du wenigstens einen eigenen Schreibtisch, aber auch das ist nicht die Norm. Der Schreibtisch und die Stühle sind nicht auf deinen Körper angepasst. Die Klimaanlage ist im Winter zu warm und im Sommer zu kalt eingestellt. Arbeiten im Büro kann sich steril und unkomfortabel anfühlen. Zu Hause hingegen richtest du dich so ein, wie es zu deinen Bedürfnissen passt und wie du dich am wohlsten fühlst. 

Zu Hause habe ich besseres Internet, nettere Kolleg:innen und der Kaffee schmeckt.

Kosten und Zeitersparnis 

Stell dir vor, du pendelst täglich 45 Minuten pro Strecke – nichts Ungewöhliches – dann verbringst du pro Woche einen ganzen Arbeitstag im Auto, im Bus oder auf Schienen. Zeit, die dir bei einem Innendienst-Vertrag nicht bezahlt wird, aber trotzdem für die Arbeit aufgewendet werden. Das Auto oder das Bahnticket werden dir häufig auch nicht oder nicht vollständig finanziert.  

Wenn du zu Hause bleibst, lässt du das Auto häufig stehen. Du gehst nicht jeden Morgen zum Bäcker, trinkst keinen teuren Kaffee To Go und lässt dich auch nicht jeden Tag von den Kolleg:innen zum Essengehen überreden.

Save-Space 

Ein Büro ist für viele Menschen kein Wohlfühlort. Das kann verschiedene Gründe haben. Ich bin zum Beispiel sehr introvertiert. Wenn ich einen langen Tag im Großraumbüro bei meinen Kund:innen war und viele Kontakte hatte, ist mein sozialer Akku am Abend leer. Ich bin mental und körperlich erschöpft. Ich habe weniger Kraft für aktive Hobbys, private Kontakte und auch alltägliche Verpflichtungen werden müßig. Da hilft nur Ruhe, um neue Energie zu tanken.  

Zuhause habe ich den Luxus den ganzen Tag in meinem Safe-Space zu verbringen. Das “Aufladen” ist dann gar nicht mehr von Nöten und ich kann abends meine Zeit aktiv gestalten, wie ich möchte. 

Sinnhaftigkeit 

Oft fahre ich ins Büro, um dann dort zu telefonieren, während vier andere Personen um mich herum auch telefonieren. Manchmal sitzen wir sogar im gleichen Call und hören uns zeitverzögert. Ich denke mir oft, dass ich auch zu Hause hätte bleiben können.  

Arbeiten im Büro muss sich für dich lohnen. Wenn die Gesellschaft deiner Kolleg:innen und die gemeinsame Mittagspause schon lohnenswert ist, cool. Aber eigentlich sollte die Fahrt ins Büro ein Benefit für deine Arbeitsweise sein. 

Hat das Homeoffice Nachteile? 

Definitiv gibt es sie. Zum Beispiel ist nicht jeder Beruf im Homeoffice ausführbar. IT- und Entwicklungs-Jobs in aller Regel schon. Laut Statistisches Bundesamt, haben 2021 rund 75% IT-Beschäftigte von zu Hause aus gearbeitet. Doch nicht für jeden passt dieses Konzept. Ich habe einige Schwachstellen entdeckt und Lösungsansätze dafür: 

Einsamkeit und kein Gemeinschaftsgefühl 

Tag für Tag allein im Büro zu sitzen ist nicht für jeden Charakter geeignet. Während die einen die Ruhe genießen und sich nur so konzentrieren können, macht es andere wahnsinnig. Niemand läuft aus Versehen an deinem Schreibtisch vorbei und sagt Hallo. Wenn du Hilfe oder Feedback suchst, musst du aktiv auf die Menschen zugehen; niemand wird sehen, wenn du gerade verzweifelst. Die Gefahr ist hoch, dass du dich einsam und alleingelassen fühlst.  

Einsamkeit im Homeoffice, obwohl man doch jederzeit jemanden anrufen kann.

Lösung: Regelmäßige Termine und Feedbackrunden 

Über Chats und Video-Konferenzen entwickeln sich Konflikte. Man spricht aneinander vorbei, ohne es zu merken. Man nimmt Kolleg:innen ganz anders wahr, als sie eigentlich sind. Und manchmal wird man faul und spricht gar nicht miteinander.  

Um uns zu erden und uns unsere Gefühle vom Herzen zu reden – positiv wie negativ – treffen wir uns regelmäßig für Feedbackgespräche und Retros.  

Empfehlung

Du und dein Remote-Team vermisst die Treffen an der Kaffeemaschine? Dann solltet Ihr euch vielleicht mal das virtuelle Büro Gather ansehen, dass ihr ganz nach euren Bedürfnissen gestalten könnt.

Lösung: Firmenevents 

Weil wir uns so selten sehen, sind Firmenevents besonders wichtig. So vergessen wir nicht, wie wir wirklich aussehen 😀 Wir versuchen uns einmal im Quartal zu treffen. In einem Raum zu sitzen, zu quatschen, zu diskutieren und uns auszutauschen fühlt sich doch anders an, als auf einen Bildschirm zu starren.  

Keine Disziplin und zu viel Ablenkung 

Im Homeoffice wird man schnell verführt “noch kurz” Dinge zu tun, die nichts mit der Arbeit zu tun haben. Ich kenne das. Da wird noch kurz die Wäsche aufgehängt, eine Rechnung bezahlt, eine Kleinigkeit weggeräumt oder das Bett gemacht. Vielleicht hat dein:e Partner:in heute ein hohes Mitteilungsbedürfnis oder deine Kinder sind zu Hause und wollen Aufmerksamkeit. Im Homeoffice gibt es viele Ablenkungen. 

Lösung: Routinen und Office-Zeiten 

Kommuniziere allen Personen in deinem Haushalt, wann du arbeitest und dass du dann nicht gestört werden möchtest. Feste Arbeitszeiten helfen dir und deinen Mitbewohner:innen dir die nötige Ruhe zu bieten. 

Lösung: Ein fester Arbeitsplatz 

Ein abgegrenzter Arbeitsbereich ist besonders wichtig um während der Arbeitszeit fokussiert zu bleiben und den Kopf abschalten zu können, sobald der Feierabend kommt. Doch nicht jede:r hat die Möglichkeit für ein Arbeitszimmer.  

Selbst in einer Ein-Raum-Wohnung kannst du dir einen Arbeitsplatz schaffen, der nur für die Arbeit da ist. Dein Gehirn wird diesen Ort mit Arbeit verknüpfen und dich schneller in die passende Stimmung versetzen. Packe die Sachen immer direkt weg – in eine Tasche oder eine Kiste. Ganz nach dem Motto: aus den Augen aus dem Sinn. 

Arbeite niemals auf deinen privaten Geräten. Bitte deine:n Arbeitgeber:in um Business Hardware wie einen Laptop und ein Smartphone. So kommst du in deiner Freizeit nicht in die Versuchung “mal eben schnell noch” die Mails zu checken.  

Wir sind Fans. Und du?

Wir wollen niemanden verpflichten. Ob das Homeoffice für dich der richtige Ort ist, kannst nur du wissen. Unsere Antwort ist jedoch klar: 

Für uns überwiegen die Vorteile vom Homeoffice.  

Kurz und knackig

  • Im Homeoffice bist du flexibler, konzentrierter und produktiver 
  • Es wirkt sich positiv auf deine Freizeit und Work-Live-Balanace aus 
  • Dein Arbeitsplatz ist – einmal eingerichtet – auf dich zugeschnitten 
  • Du sparst richtig viel Geld und Zeit, wenn du nicht pendeln musst 
  • Du fühlst dich wahrscheinlich wohler und sicherer 

Aber:

  • Die Gefahr, dass du dich einsam und alleingelassen fühlst, steigt
  • Du musst diszipliniert und gut organisiert sein, um dich nicht ablenken zu lassen

Na, wäre Homeoffice etwas für dich? Oder Arbeitest du schon von zu Hause aus?
Lass uns auf LinkedIn zum Thema diskutieren! Wir freuen uns auf deine Meinung! 


Was denkst du: kann Homeoffice funktionieren?

Beitrag teilen

Du möchtest unser Team unterstützen?

Dein Herz schlägt für gute Usability und in einem kleinen Unternehmen fühlst du dich zu Hause?

Dann sollten wir uns kennenlernen!

Diese Artikel könnten dich auch interessieren

Arbeiten mit Zeitverschiebung zum Team ist eine Challenge, aber nicht unmöglich. Wir erzählen dir, wie es funktionieren kann,
Onboardings sind häufig schlecht oder gar nicht betreut. Solange das die Realität ist, müssen wir erfinderisch sein, um trotzdem anzukommen.
Neulich glühten bei unseren Kund:innen die Hotline-Drähte des Supports durch. Man hatte sich entschieden UX spontan NICHT einzubeziehen.